Newsletter: Der „Brexit“-Handlungsbedarf bei der Umsatzsteuer

Die britische Bevölkerung hat mit 52 % dafür gestimmt, dass Großbritannien aus der Euro-Zone ausscheidet. Nachfolgend sollen kurz die umsatzsteuerlichen Konsequenzen dargestellt und die möglichen Risiken erläutert sowie auf möglichen Handlungsbedarf hingewiesen werden:

Mit dem Brexit wird Großbritannien nicht mehr als Gemeinschaftsgebiet im umsatzsteuerlichen Sinne gelten.

  • Zurzeit ist das britische Umsatzsteuerrecht aufgrund der Harmonisierung durch die Mehrwertsteuersystemrichtlinie mit dem deutschen Umsatzsteuerrecht vergleichbar. Es ist aufgrund des Brexits allerdings damit zu rechnen, dass sich das britische Umsatzsteuerrecht zunehmend immer klarer von dem EU-Recht unterscheiden wird, insbesondere, da sowohl die Mehrwertsteuersystemrichtlinie, als auch die EuGH-Rechtsprechung in Großbritannien keine Berücksichtigung mehr finden werden. 
  • Durch den Brexit gilt Großbritannien dann nicht mehr als umsatzsteuerliches Gemein-schaftsgebiet, sondern als Drittland, welches die folgenden Konsequenzen nach sich zieht:
  • Grenzüberschreitende Lieferungen nach Großbritannien wären keine (steuer-freien) innergemeinschaftlichen Lieferungen mehr, sondern (steuerfreie) Ausfuhrlieferungen. Das hätte trotz möglicher Steuerbefreiungen allerdings die Konsequenz, dass für die  Steuerbefreiung andere Belegnachweise erforderlich wären. Auch ist darauf hinzuweisen, dass diese Lieferungen nunmehr aufgrund zollrechtlicher Vorschriften anders zu behandeln sind. Bereits bei Vertragsverhandlungen ist für die Zeit nach dem Brexit zu beachten, dass bei Lieferungen nach und aus Großbritannien (Drittland) nunmehr auch Zölle und Einfuhrumsatzsteuern, sowie Kosten für die Abwicklung von zollrechtlichen Verpflichtungen zu berücksichtigen sind. 
  • Auch ist darauf hinzuweisen, dass die derzeit geltenden Versandhandelsregelungen (§ 3c UStG) zukünftig in dieser Form nicht weiter existieren werden. Mögliche Konsequenzen für Versandhandelslieferungen nach Großbritannien bleiben daher abzuwarten. 
  • Zu prüfen sind auch Reihengeschäfte, da die bis dato als innergemeinschaftliche Lieferungen im Reihengeschäft durch den Brexit nunmehr ggf. als Ausfuhren zu bewerten sind. Hinzuweisen ist darauf, dass durch den Brexit die Vereinfachungsregelung für innergemeinschaftliche Dreiecksgeschäfte nicht mehr anwendbar sein dürfte. 
  • Im Bereich des Dienstleistungsverkehrs gilt nach dem Brexit Folgendes: Der Nachweis der Unternehmereigenschaft nach dem Brexit kann nicht mehr anhand der von den EU-Mitgliedstaaten vergebenen Umsatzsteuer-Identifikationsnummer erbracht werden, sondern aufgrund anderer geeigneter Unterlagen, nämlich z. B. einer Unternehmerbescheinigung. 
  • In Bezug auf das Vorsteuervergütungsverfahren ergeben sich durch den Brexit zwei Änderungen: Zum einen läuft die Antragsfrist nach dem Brexit nur noch bis zum 30. Juni des Folgejahres und nicht mehr bis zum 30. September des Folgejahres, da Großbritannien ab dem Brexit als Drittland angesehen wird.
Newsletter_Brexit

Hier gibt es den aktuellen Newsletter zum Brexit und den umsatzsteuerrechtlichen Konsequenzen zum Download.

Zudem ist zu beachten, dass es für die Zulässigkeit des Vorsteuervergütungsverfahrens auf die Gegenseitigkeit ankommt. Auch hier bleiben weitere Einzelheiten abzuwarten.

Aufgrund der oben beschriebenen Änderungen und Risiken, sind bereits jetzt unternehmensinterne Prozesse in Bezug auf Berührungen mit Großbritannien hin zu überprüfen und mögliche Änderungen bereits jetzt zu initialisieren.

Gern sind wir Ihnen hierbei behilflich. Nehmen Sie mit uns Kontakt auf.